Der ehemalige Bürgermeister von Bremen Henning Scherf wurde durch seine beiden Bücher "Grau ist bunt. Was im Alter möglich ist" und "Gemeinsam statt einsam. Meine Erfahrung für die Zukunft" als Mitbegründer und Mitglied der wohl populärsten Wohngemeinschaft Deutschlands über die Hansestadt hinaus bekannt. Gestern berichtete Henning Scherf im Michel vor voll besetzten Bänken von seiner acht Personen zählenden "Wahlfamilie" in einem renovierten und für die besonderen Zwecke umgebauten Patrizierhaus in der Bremer Innenstadt. Unter dem Titel "Gemeinsam statt einsam" sprach Henning Scherf unter dem Leitsatz "Generationsübergreifendes Wohnen - Lebensqualität für Jung und Alt" über die Wohngemeinschaftserfahrungen seit 22 Jahren, in denen er mit seiner Frau Luise und sechs anderen Personen in dieser Hausgemeinschaft zusammenlebt. Der 1938 geborene, promovierte Jurist, der in den siebziger Jahren noch von einem alternativen Dorf mit 100 Einwohnern geträumt hatte, zieht das Fazit: "Alte Menschen wollen keine Alters-Ghettos". Auch wenn er manchmal von seinen Kindern und mehreren Enkeln wohlwollend belächelt wird, hat er sich den Optimismus, der eine solche Lebensform begründet, über die Jahre bewahrt. Auch schwierige Dinge, wie zwei Sterbebegleitungen waren darunter, auch das wurde von der Gemeinschaft in einer guten Weise erlebt und bewältigt. und sieht sich auf dem richtigen Weg, den er jederzeit wieder so gehen würde. Es wurden in den 22 Jahren des Bestehens dieser Wohngemeinschaft alle Probleme gemeinsam gelöst. Kaum ein Zuhörer wird wohl daran gezweifelt haben. Scherfs WG hat inzwischen Kontakt zu 9000 ähnlichen Projekten und manchmal kommen bis zu 1000 Anfragen pro Tag in Bremen an.
Diese positive Grundhaltung wirkt motivierend auch auf Wohngruppen, die in ganz Deutschland und im Ausland im Entstehen sind.